Olympische Erkenntnisse „herausragender Leistungen“

 

Tolle sportliche Leistungen. Außerordentliche Bedingungen. Spezielle Erfolgsstrategien.

Beobachtungen aus 19 Tagen Olympia Tokio 2021, die wir mit viel professioneller Aufmerksamkeit genossen haben 😊

 

1. Vom „richtigen Timing“ und dem Vertrauen

 

Die Interviews der stolzen Sieger*innen und enttäuschten Verlierer*innen zeigen es:

„Entscheidend ist, was am Tag X passiert, manches ist von Unwägbarkeiten & Zufällen abhängig, 80 % des Erfolgs passiert in der Vorbereitung.“

Haben wir alle Eventualitäten berücksichtigt, ausreichend und vor allem das Richtige trainiert? Sind wir im adäquaten Maß vorgespannt, gleichzeitig locker? Setzen wir im richtigen Moment unsere Stärken ein? Wie sind wir auf Überraschungen eingestellt? Wann braucht es ein Timeout? Einig sind sich die Sieger*innen: „Wir haben den Analysen unserer Trainer*innen voll vertrauen können, das bringt Entlastung.“

Bild: Österreichisches Olympisches Comité

 

2. Mythos Erfolg durch positives Teamklima?

 

Bild: Tokio.sportschau.de

Wir müssen nicht beste Freunde sein, um in einer gemeinsamen Staffel Erfolg zu haben. Die Jamaikanerinnen zeigten es vor: einander in der Einzel-Konkurrenz offensichtlich nicht grün - mehr als 1 Babyelefant Abstand unter den 3 erstplatzierten Teamkolleginnen- konzentrierten sie sich im Teambewerb auf die entscheidenden Erfolgskriterien: optimale Übergaben, jeweils das eigene Beste geben und gemeinsam Gold holen. Zudem: der Erfolg lässt gemeinsam feiern und schafft neue Verbindung.... Dennoch: im positiven Teamklima lässt es sich leichter leisten, diese Erkenntnis lassen wir uns nicht nehmen 😊

 

3. Vom Fehlen des Respekts: Genug ist nicht genug?

 

In autoritären Systemen reicht nicht einmal der 1.Platz, um den „Mitarbeiter*innen“ Respekt zu zeigen. Wer sah, wie chinesische, auch weiß-russische Trainer ihre Gold-Sieger im Timeout oder sogar nach dem Sieg mit erhobenem Zeigefinger bearbeiteten („Es hätte noch besser sein können!“) versteht, warum auch die Besten lieber aus menschen-verachtenden Systemen in Richtung mehr Selbstverantwortung flüchten.

 

4. Das positive Pushen - die Stimmungsmacher

 

Bild: Augsburger Allgemeine

Emotion ist leistungsfördernd und die Präsenz wohlwollender Beobachter kann man im Sport nicht ersetzen. Daher besonders „in der Blase“ wichtig:  unglaublich viel positive Aufmunterung: hier von Trainern, Masseuren, Physios. Verbale Ermunterungen, kleine & große Gesten, die den entscheidenden Schub geben können.

Ebenso zu hören: Mitspieler*innen in den Mannschaftssportarten pushen einander mehr denn je. Das Prinzip: während des Spiels ist Kritik Gift, ausschließlich Bestärkung gefragt. Fehleranalyse nachher im geschützten Rahmen...modellhaft.

 

5. Es kann immer nur Eine/n geben?

 

Die Bilder gehören zum Besten, auch weil sie so rar waren:

2 Konkurrenten verzichten bei Leistungsgleichheit auf ein weiteres „Stechen“ und feiern gemeinsam Gold. Der gemeinsame Tanz der beiden Hochspringer Gianmarco Tamberi aus Italien und Mutaz E. Barshim aus Katar wird uns als Highlight in Erinnerung bleiben. Wenn wir den Kampf nicht auf die Spitze treiben müssen kann es mehr als nur einen Sieger geben.

 

Hier geht’s zum Video.

 

Bild: Süddeutsche Zeitung

 

6. Es braucht Grenzen & Kontrolle der Regeln

 

Bild: FAZ.net

Erfolgshunger ist grenzenlos, Systeme pressen das Regelwerk und die Erfolgsdarsteller gnadenlos aus, wenn keine Regeln und kein öffentlicher Aufschrei sie stören. 13-jährige Olympia-Siegerinnen, die noch nicht recht verstehen, was da um sie herum passiert. Blutig-blau-geschlagene Knie der blutjungen Geräteturnerinnen, immer raffiniertere Doping-Methoden, unter inadäquaten klimatischen Bedingungen bis in die Erschöpfung getriebene Marathon-Läufer. Pferde, die als „Sportgeräte“ mit der Peitsche dressiert werden. Alles Auswüchse eines exzessiven Sport-Kapitalismus. Wo Leistungssteigerung um jeden Preis regiert, braucht es Gegenprogramme: Regeln, Kontrolle, Medien, die kritische Fragen stellen und eine sensibilisierte Öffentlichkeit.

 

7. Inspiration, die Wirkung des Lächelns und der Flow

 

Wir brauchen keine Mentaltrainer-Weisheiten, um zu wissen: wenn man es schafft, sich in eine positiv-optimistische Haltung zu bringen, den Flow zu finden, dann gelingt Vieles leichter. Das Lächeln der australischen Hochspringerin Nicola McDermott mit persönlicher Bestleistung, die überraschend Silber brachte, fällt da ebenso auf wie das Lächeln auf den Lippen des Marathon-Siegers Eliud Kipchoge: „Ich hoffe, ich kann die nächste Generation mit meinen Leistungen inspirieren. Das ist Glück!“